Hoher Stellenwert für die Individualität

ZUR PERSON

Annett Diver ist Geschäftsbereichsleiterin in der Managementdiagnostik beim ifp in Köln, Diplom Psychologin und Coach. Ihr beruflicher Schwerpunkt: Managementdiagnostik, Management-Development, Coaching und Organisationsentwicklung.


Was hat Sie in die Personalbranche geführt?

Ursprünglich war ich eher wissenschaftlich orientiert, fühlte mich dann aber immer mehr zur Wirtschaft hingezogen, vor allem die Verbindung von Psychologie und betriebswirtschaftlich bedingter Effizienz hat mich gereizt.

Was bedeutet Wirtschaftspsychologie für Sie?

Wertschöpfungsaspekte und organisationale Faktoren konkret mit dem Individuum, dem Mitarbeiter oder der einzelnen Führungskraft, in Beziehung zu setzen. Man verbringt einen enormen Teil des Lebens bei der Arbeit. Der Arbeitsplatz und das Unternehmen sind ein soziales System, in das sich jeder individuell mit seinen Eigenheiten einbringt. Dies in allen Facetten zu betrachten ist für mich Wirtschaftspsychologie.

Was können gute Psychologen in Unternehmen verändern?

Sie können das Verständnis dafür stärken, dass der Mensch der wesentliche Teil eines Unternehmens ist und seiner Individualität ein hoher Stellenwert eingeräumt werden sollte. Ein guter Psychologe ist für mich dabei jemand, der fachlich überzeugt und zudem die Sprache der anderen Unternehmensmitglieder spricht. Er kann wirksam als Multiplikator agieren und den „Faktor Mensch“ in der Organisations- und Führungskultur sichtbar und spürbar machen.

Mit welchem Thema würden Sie sich gern einmal beruflich beschäftigen?

Ich finde das Thema Pathologie in der Führung, über das der Management-Professor und Psychoanalytiker Manfred Kets de Vries viel schreibt, sehr interessant. Immer wieder begegnen mir Personen, deren Einfluss auf die Gesamtorganisation sehr deutlich wird – nicht immer im positiven Sinn.

Was ärgert Sie in Ihrem Beruf am meisten?

Im Bereich der Managementdiagnostik ärgert es mich, wenn Führungskräfte, die an eignungsdiagnostischen Prozessen beteiligt sein wollen, nicht wirklich objektiv und fair bewerten, sondern eher nach Beweisen für ihre eigene subjektive Sicht suchen – sei es für oder gegen den Kandidaten. Zudem ärgert mich mangelndes Qualitätsbewusstsein.

Was denken Ihre Mitarbeiter über Sie?

Wie ein vor Kurzem durchgeführter Feedback-Prozess zeigt, schätzen meine Mitarbeiter meine Art des Umgangs, meine Bereitschaft, sie immer zu unterstützen und bei Schwierigkeiten zu helfen. Ich kann fachlich viele Impulse geben und bin insgesamt eine lockere, wenig formelle Vorgesetzte, die aber auch ehrlich und direkt sein kann. Weniger angenehm finden meine Mitarbeiter – neben meinen häufigen Abwesenheitszeiten –, dass ich teilweise nur kurz aufschlage, um Themen zu verteilen, ohne sie gut durchzusprechen.

Was ist Ihre größte Macke?

Ich halte mit meiner Meinung in der Regel nicht zurück. Verbunden mit einer gewissen Energie und einem nicht immer ausreichenden Sinn für Taktik führt das dazu, dass ich manchmal etwas forsch und nicht immer sensibel bin.

Wie schalten Sie am besten von der Arbeit ab?

Ich mache gerne Sport und mag neben Laufen auch etwas kämpferischere Dinge wie Body Combat oder Boxtraining. Auch reise ich gerne und erlaufe mir mit meinem Mann verschiedene Städte. Mein größtes Talent ist aber fraglos das Nichtstun.

Wenn Sie drei Monate Zeit hätten, was würden Sie machen?

Wahrscheinlich würde ich erst einmal mit einer Woche Nichtstun starten. Dann würde ich aber gerne eines der von mir angedachten Buchprojekte in Angriff nehmen. Dafür fehlt mir im Moment tatsächlich die Zeit.

Veröffentlicht: 09/2013, Wirtschaftspsychologie aktuell - Zeitschrift für Personal und Management

Quelle http://www.wirtschaftspsychologie-aktuell.de/profil/profil_1303-annett-diver.html